MORBUS CROHN UND COLITIS ULCEROSA
Die Kapitulation der Immun-Zentrale
Anhaltender Durchfall, unerträgliche Bauchschmerzen, völlige Entkräftung - das sind die Symptome, wenn der Verdauungstrakt des Menschen entzündet ist. Die Qualen treten ohne jede Vorwarnung auf, steigern sich in Schüben und hören nicht wieder auf. "Ein nicht endendes Feuer im Innersten meines Körpers", beschreibt ein Patient seine Leiden.
Der Darm entzündet immer weiter, bis die Darmwand regelrecht zerstört ist. Dann besteht Lebensgefahr. Denn mit dem Darm entzündet gerade jenes Organ so verheerend, das rund drei Viertel der menschlichen Abwehrzellen beherbergt - die Zentrale des Immunsystems.
Moderne Wirkstoffe löschen inzwischen das Feuer im Darm, vorübergehend: Sie blockieren zielgenau jenen Botenstoff, der die Darmentzündung auslöst.
Bildergalerie Darm (11 Bilder)


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Wenn die Barriere porös ist
Die Krankheitsbilder Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gab es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts so gut wie gar nicht. Doch dann entzündete der menschliche Darm erstmals chronisch: einhergehend mit dem verstärkten Konsum industriell gefertigter Lebensmittel, zunehmender Belastung durch Umweltgifte und einem "zivilisierten" Alltag aus Großmaß an Stress und mangelnder Bewegung. Welche Faktoren in welcher Dimension für den Ausbruch von Crohn und Colitis verantwortlich sind, ist noch unklar. In Deutschland sind inzwischen 300.000 Menschen erkrankt.
Bei vielen spielen die Erbanlagen eine Rolle: Krankheitsgene für Crohn und Colitis sind identifiziert. Aber die genetischen Auffälligkeiten allein erklären die dramatischen Entzündungen des Darms noch nicht. Dafür muss das Zusammenwirken vom Umwelt und Genetik verantwortlich sein. Wahrscheinlich versucht das Immunsystem verzweifelt zu verhindern, dass schädliche Bakterien vom Darminneren in den Blutkreislauf übertreten. Eine über Jahrtausende stets zuverlässige Barriere, die bei Crohn- und Colitis-Patienten porös ist.












