English
0000_News_links.jpg
abstandhalter_top.jpg
4000.jpg
abstandhalter_top.jpg
0000_Forschung_rechts.jpg

Multiple Sklerose

Dendritische Zellen haben Schlüsselrolle

Sie veranlassen die Entzündung verursachenden Immunzellen und Botenstoffe, in das Nervensystem einzuwandern und hier die schützende Isolierung der Nervenfasern zu zerstören - bis schließlich Impulse in die Denkzentrale nicht mehr regelgerecht weitergeleitet werden: Dendritische Zellen sind jetzt als zentraler Auslöser der Multiplen Sklerose (MS) identifiziert. Sie sind offenbar maßgeblich für die fehlgeleitete Immunattacke auf das Nervensystem verantwortlich.

Tiermodelle belegen, dass der Krankheitsverlauf sich signifikant verschlechtert, wenn im Gehirn auffallend viele dendritische Zellen vorhanden sind. Der Grund: Dendritische Zellen veranlassen Effektor-Zellen mit entzündungsfördernden Botenstoffen dazu, in das Nervensystem einzuwandern. Diese setzen dann den Nervenfasern zu. Erkrankte verfügen über auffallend wenige jener Immunzellen, welche die einmal aktivierte Entzündung zu regulieren vermögen, beobachtete Studienleiter Heinz Wiendl von der Universität Würzburg: "Wir konnten bei den erkrankten Tieren feststellen, dass das Verhältnis schädlicher Effektor-Zellen zu entzündungshemmenden Regulator-Zellen deutlich zugunsten der Effektor-Zellen verschoben war."

Nach Wiendls Überzeugung sollte die MS-Therapie perspektivisch an den dendritischen Zellen ansetzen. Zumal diese manipulierbar sind: Dann schütten sie nicht mehr Effektor-Zellen mit ihren entzündlichen Botenstoffen aus, sondern vielmehr Zellen, die Entzündungsprozesse unterdrücken. Doch wie immer, wenn Mechanismen im Tiermodell erfolgreich waren, muss allzu vorschnelle Euphorie gedämpft werden, dass diese Ergebnisse unverändert auf das komplexe Biosystem Mensch übertragbar sind. Wiendl: "Bis eine solch spezifische MS-Therapie auch beim Menschen zum Einsatz kommen kann, werden wohl noch einige Jahre vergehen."

Dabei ist der Bedarf nach wirksamen Eingriffen in die anhaltende Entzündung des Nervensystems drängend: Allein in Deutschland sind mehr als 120.000 Menschen an MS erkrankt, jedes Jahr wird bei 2.500 Männern und Frauen die fatale Diagnose neu gestellt. Auffallend: Besonders oft sind Frauen betroffen.

MEHR INFOS

DAS GEN

Über die Entschlüsselung fataler Signale aus den Erbanlagen

DAS MOLEKÜL

Die Entzündungserreger im Detail verstehen lernen

DIE ZELLE

Über die Analyse der elementaren Bausteine des Lebens

MODELLSYSTEME

Die molekularen Geschehnisse im Organismus nachvollziehen