DNA-Sensor identifiziert
Der, der das Erbgut erkennt
Es ist ein alter Bekannter, der jetzt als bedeutsamer Teil des angeborenen Immunsystems identifiziert wurde: das Protein AIM2. "Absent in Melanoma" wird in den allermeisten Körperzellen gebildet, just Hautkrebszellen jedoch verweigern die Produktion. Daher der Name des bisher eher unscheinbaren Moleküls, das nun als zentraler Sensor von Körperzellen entschlüsselt ist, der das Erbgut von Krankheitserregern aufspürt. Was schließlich die körpereigene Abwehr auf den Plan ruft - und Entzündung initialisiert.
Im Zytoplasma der Körperzelle befindet sich oftmals nicht gebundenes Erbgut. DNA von Bakterien oder Viren, aber auch körpereigene, die in Folge von Krankheitsprozessen freigesetzt wurde. "Wenn AIM2 auf einen derartigen freien DNA-Faden trifft, dockt es daran an und setzt eine komplizierte Signalkette in Gang", erläutert Veit Hornung, der den lange gesuchten, aber niemals im AIM2-Protein vermuteten, DNA-Sensor gefunden hat. Am Ende werden Zytokine freigesetzt, welche die körpereigene Abwehr alarmieren. Schwerste Bataillone fahren nunmehr auf, um den Erregern mittels Entzündung den Garaus zu machen.
Der Bonner Biochemiker Hornung hat damit einen weiteren Baustein des komplexen Entzündungsmechanismus identifiziert. Das bestätigt der Genetiker des "Exzellenzcluster Entzündungsforschung", Andre Franke: "Diese hoch interessante Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung der DNA-Erkennung für das Verständnis von Immunprozessen." Und damit möglicherweise auch für das Phänomen der chronischen Entzündung des Menschen.

