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"Exzellenzcluster"-Biobank

Der Schlüssel zur Entdeckung eines Langlebigkeits-Gens

Die gewaltigen Kühlschränke in den Katakomben der Kieler Zentrale des "Exzellenzcluster Entzündungsforschung" bergen wahre Schätze. Bei minus 80 Grad lagern hier Gewebe- und Erbgutproben vitaler Senioren. Die mehr als 600 Männer und Frauen, allesamt um die 100 Jahre alt, haben sich der Wissenschaft zur Verfügung gestellt - und den Forschern bislang noch unbekannte Hinweise geliefert, warum einzelne Exemplare des Homo sapiens so auffallend alt werden, weitgehend unabhängig vom individuellen Lebensstil. So verfügen viele der in der Biobank des "Exzellenzcluster" archivierten Alten über eine spezielle Genvariante. Ein Langlebigkeitsgen.

"Auffallend oft tritt eine Variation in dem Gen FOXO3A bei Menschen über 100 Jahren auf", hat "Exzellenzcluster"-Forscherin Almut Nebel nachgewiesen. Das beeinflusse die Lebenserwartung offenbar positiv. Diesen einen unter Milliarden Bausteinen des Menschen hatten Wissenschaftler in aller Welt schon länger im Visier, als mögliches Methusalem-Gen. Jetzt ist es Gewissheit, dass die besondere Ausprägung von FOXO3A im Zusammenhang mit dem gesunden Altwerden des Menschen steht. Das Gen ist konkret für den Insulin-Stoffwechsel wichtig, stellt dafür ein Protein her. Gehen diese Abläufe ob mangelhafter Steuerung aus dem Erbgut nicht reibungslos vonstatten, kann es zu Krankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose kommen. Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folge. Und das Gen trägt dazu bei, dass sich Körperzellen zum Wohle des Organismus selbst zerstören, wenn sie alt oder defekt sind. Gerät diese Auslese aus dem Gleichgewicht, kann sich leichter Krebs entwickeln. FOXO3A hat somit einen schützenden Einfluss auf die Gesundheit des Menschen.

Das Geheimnis des Erfolgs der deutschen Entzündungsforscher, einen genetischen Faktor für hohes Alter entschlüsselt zu haben, liegt in dem weltweit einzigartigen Fundus von Erbanlagen so genannter "hochalter" Menschen. Sie werden in der Biobank "Populationsgenetik" des "Exzellenzcluster" seit Jahren aufwändig zusammengetragen: "Es ist sehr schwierig, entsprechend bejahrte Studienteilnehmer zu gewinnen", sagt Biologin Nebel. Zumal die Wissenschaftler möglichst auch noch die ganz Alten brauchen, am besten fit Gebliebene jenseits der 100. "Denn die genetischen Effekte bei Menschen von über 100 Lebensjahren sind deutlicher zu sehen als bei 90-Jährigen." Im Weiteren setzen die Entzündungsforscher alles daran, noch mehr Senioren für ihr "Methusalem-Projekt" zu gewinnen. Schließlich ist es nicht viel mehr als ein Pieks für die Studienteilnehmer. Denn schon ein paar Milliliter Blut reichen den Genetikern, um das Erbgut eines Menschen umfassend durchstöbern zu können. Dabei geht es nicht nur um Langlebigkeitsgene, sondern auch um Auffälligkeiten in den Erbanlagen, die für die Erkrankung an chronischen Entzündungen mitverantwortlich sind. Dazu scannen die "Exzellenzcluster"-Forscher in der Biobank die Anlagen nahezu aller Generationen, Kranker wie Gesunder, bereits mehr als 130.000 - mit dem Ziel, die komplexen Mechanismen chronischer Erkrankungen zu identifizieren und darauf aufbauend die Medizin neu zu definieren, erklärt "Exzellenzcluster"-Sprecher Stefan Schreiber: "Weg von der Reaktion auf Fehlentwicklungen im Körper, hin zur Entwicklung kreativer Strategien der Prävention. Perspektivisch individuell abgestimmt auf die genetische Konstitution des einzelnen Patienten."

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