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Morbus Crohn

Durchfallbakterium spielt keine Rolle

Immer wieder wurde in den letzten Jahren im Rahmen der internationalen Diskussion um die möglichen Auslöser von Autoimmunerkrankungen auch der ursächliche Zusammenhang eines spezifischen Bakteriums mit der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn suggeriert: "Das ist in keiner Weise bewiesen", stellt jetzt der Gastroenterologe des "Exzellenzcluster Entzündungsforschung", Stephan Ott, unmissverständlich klar. Es spreche vielmehr einiges dagegen, dass das Mycobacterium paratuberculosis eine relevante Rolle bei Morbus Crohn spielt.

Zuletzt hatten Forscher der Universität Liverpool darüber spekuliert, dass die noch unheilbare Entzündung der menschlichen Immunzentrale durch den Durchfallkeim erklärbar sein könnte - in der Folge des Nachweises, dass das Glykoprotein "Mannan" die Abwehrfunktion von Entzündungszellen gegen Bakterien schwächt. "Mannan" befindet sich auch auf der Oberfläche des Mycobacteriums paratuberculosis, das für eine altbekannte Durchfallerkrankung bei Rindern verantwortlich gemacht wird. Und der Keim kann mit Milch oder anderer Nahrung durchaus auch in den Menschen gelangen. Allerdings konnte eine erhöhte Konzentration der Durchfallmikrobe im Darm von Crohn-Patienten in zahlreichen Studien nicht überzeugend nachgewiesen werden. Was Magen-Darm-Experte Ott denn auch resümieren lässt: "Angesichts dessen, was wir bereits verlässlich über den Krankheitsmechanismus der chronisch entzündlichen Darmerkrankung herausgefunden haben, spricht einiges dagegen, dass das Mycobacterium paratuberculosis für die Crohn-Erkrankung überhaupt relevant ist."

Die Wissenschaftler des "Exzellenzcluster Entzündungsforschung" haben hingegen zweifelsfrei genetische Auffälligkeiten identifiziert, die das Risiko, an der anhaltenden Entzündung des Verdauungstrakts zu erkranken, erhöhen. Desweiteren werden Umweltfaktoren wie Rauchen, Stress und die in den Industrienationen in den letzten Jahrzehnten grundlegend veränderten Ernährungsformen für die Crohn-Erkrankung verantwortlich gemacht.

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